Multireligiöse Situation
Die Kirche lebt seit über hundert Jahren mit der Wirksamkeit der "klassischen (christlichen) Sekten.
Seit Ende der siebziger Jahre sind zu den alten auch neue Sekten sowie neue religiöse Gemeinschaften, Bewegungen und Strömungen, aber auch Pseudoreligionen und Psychokulte hinzugekommen; vgl. die Übersicht: Weltanschauungsbewegungen, Gurubewegungen, Neureligionen, Psycho-Organisationen
Mindestens in den großen Städten werben und arbeiten nicht nur Vertreter der klassischen großen Weltreligionen
(Islam, Hinduismus, Buddhismus usw.), sondern auch deren Abspaltungen ("Sekten") und Sondergruppen.
Und schließlich sind da auch die "Jugendreligionen" oder "totalitären Kulte", Führerbewegungen sehr unterschiedlicher Herkunft,
die ihre Mitstreiter im Kampf für eine neue Welt und ihre Weltherrschaft bevorzugt aus der Gruppe der 15 - 35jährigen rekrutieren.
Alle diese sehr verschiedenartigen Gruppen und Bewegungen sind heute in einer mit früheren Erfahrungen unvergleichbaren Weise tätig und wirksam: Sie agieren heute nicht mehr punktuell und lokal begrenzt, sondern flächendeckend.
Und ihre Aktivitäten beziehen alle Bereiche des Lebens ein.
Sie beschränken sich also nicht auf "kirchliche" oder religiöse Bereiche im engeren Sinne,
sondern beziehen Wissenschaft, Pädagogik, Medizin und Heilwesen, Kultur, Industrie, Politik usf. ein.
In Berlin und Brandenburg, der Region der deutschen Hauptstadt und Metropole, wollen viele Gruppen vertreten sein.
Berlin war schon seit langem eines der Zentren von Jugendreligionen, "Neuen religiösen Bewegungen" und Psychokulten.
Die Alternativszene des früheren Westberlin war ein lukratives Werbegebiet für Esoterik und New Age-Bewegung.
Einige der Gruppen haben sich fest etablieren können, neue Gruppen - vor allem aus dem Psycho- und New Age Bereich - kommen laufend dazu. Auch die eher kommerzielle, esoterische New-Age-Szene hat in Berlin und seinem Umland eines ihrer europäischen Zentren.
Wie breit angelegte Umfragen zeigen, hat auch der unorganisierte Okkultismus unter Jugendlichen in Ost- und West-Berlin
erhebliche Bedeutung gewonnen.
Für sehr verschiedene, teilweise nicht gerade unproblematische Gruppen wird so die Großregion Berlin zu einem Schwerpunkt
der europäischen Aktivitäten. Ost-West-Vereinigung und Stadt-Land-Gegensatz führen zu besonderen Friktionen
auch in der religiösen Begegnung.
Dies alles bedeutet große Herausforderungen für die ganze Kirche, aus der sich die Aufgaben für den kirchlichen
Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen ergeben.
Letzte Änderung: Oktober 2005